Was kann ein Psychoonkologe für mich tun?

Christina Mack, Dipl.-Psychologin, Psychoonkologie (DKG)

Christina Mack, Dipl.-Psychologin, Psychoonkologie (DKG)

Die Psychologin Christina Mack über die Arbeit eines Psychoonkologen:

In erster Linie bedeutet psychoonkologisches Arbeiten für mich „Aushalten“ und Zeit nehmen. Die Patienten kommen mit einer Fülle von Ängsten, Problemen und Fragen zu mir. Sie erleben sich durch die Erkrankung oft eingeengt in ihrer Handlungsfähigkeit, gelähmt und hilflos – Ohnmacht ist eines der am schwersten auszuhaltenden menschlichen Gefühle!

Im Gespräch mit dem Psychoonkologen geht es für den Patienten oder seine Angehörigen darum,

  • das scheinbar Unaushaltbare gemeinsam auszuhalten,
  • das Unaussprechliche in Worte zu bringen, eine – für beide Gesprächspartner – verständliche gemeinsame Sprache zu finden;
  • sich dem Gesprächspartner zumuten und anvertrauen zu können ohne Rücksichtnahme auf dessen Befindlichkeit (was bei Angehörigen oft nicht gelingen kann);
  • die eigene Ohnmacht zu reduzieren und Wege zum Erhalt oder des Wiedererlangens der Handlungsfähigkeit aufzuzeigen;
  • emotionales Erleben in dieser Ausnahmesituation zu erklären und als normale Reaktionen zu verstehen;
  • Traurigkeit und Schmerz über die eigene Versehrtheit und momentane Einschränkung zuzulassen und anzuerkennen;
  • eine Neuordnung von Wertigkeiten und Prioritäten vorzunehmen – was soll mehr, was soll weniger Raum in meinem Leben einnehmen?

Ich nehme mir für die Gespräche mit meinen Patienten viel Zeit, halte ihre Angst und Verzweiflung und ihre Traurigkeit mit ihnen aus. Mein Ziel ist es, dass der Patient spürt, dass ich an seiner Seite bin, dass er nicht allein ist, dass er sich vorbehaltlos öffnen und anvertrauen kann.

Häufig geht es in den Gesprächen um Schuld: Ich habe immer gesund gelebt, warum bekomme ich Krebs? Bin ich selbst schuld an meiner Erkrankung? Dieses Schuldgefühl kann als enorm quälend und belastend erlebt werden. Niemand trägt Schuld an seiner Erkrankung!

Die vielfach diskutierte “Krebspersönlichkeit” ließ sich in wissenschaftlichen Studien nicht nachweisen; ebenso wenig stellt die Erkrankung eine Bestrafung für einen bestimmten Lebenswandel oder dergleichen dar.

Ungeachtet dessen kann es für Betroffene hilfreich sein, der Erkrankung einen gewissen Sinn zu verleihen. Patienten sind achtsamer im Umgang mit sich selbst und erlauben sich, ihre eigenen Bedürfnisse wahr- und ernst zu nehmen.

Oft begegnen mir Fragen dieser Art:

  • Ich bin orientierungslos und erkenne mich nicht wieder … Wie geht’s weiter? Bin ich noch normal?
  • Ist Krebs womöglich ansteckend?
  • Was soll ich den Arbeitskollegen, Freunden und Verwandten sagen? Was mute ich meiner Familie zu?
  • Wie kann ich trotz Erkrankung eine gute Mama/ein guter Papa sein? Was, wie viel und wie sage ich es meinem Kind? Sollen Sie mich im Krankenhaus besuchen oder lieber nicht?
  • Ich habe Angst. Ich habe Angst vorm Sterben.
  • Erhöht meine Angst und meine Traurigkeit die Gefahr eines Rückfalls? Soll/muss ich positiv denken? Geht das überhaupt?

Im Haus Leben Leipzig bieten wir psychoonkologische Beratung für Betroffene und Angehörige an. Sie erhalten psychologische Unterstützung:

  • bei der persönlichen Krankheitsbewältigung
  • beim Umgang mit der Erkrankung im Familienkontext
  • bei Schwierigkeiten im sozialen und beruflichen Umfeld
  • bei der Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer
Christina Mack

Veröffentlicht von Christina Mack

Christina Mack ist Dipl.-Psychologin/Systemische Familientherapeutin (SG) sowie Psychoonkologin (DKG) am Klinikum St. Georg in Leipzig. Zusätzlich betreut Sie Krebs-Patienten und ihre Angehörigen im Haus Leben Leipzig.

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